Übersicht über die wichtigsten Allergene

Aktualisiert: Juni 5


Viele Substanzen können bei Kontakt eine allergische Reaktion auslösen. Theoretisch sind die Möglichkeiten nahezu unendlich, denn sogar auf Reize, die für den Menschen lebenswichtig sind, wie beispielsweise Wasser oder Sonnenlicht, können selten(er) allergische Reaktionen auftreten. Dennoch gibt es Substanzen, die ein hohes allergenes Potenzial aufweisen, und daher auch bei mehr Personen zu allergischen Reaktionen führen können. Im Folgenden werden diese beleuchtet, wobei der Artikel sich auf typische Auslöser beschränkt und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

"Sensibilisierung" bezeichnet die Entstehung einer Allergie: Der Körper ist "sensibel" oder "überempfindlich" auf den Stoff geworden.

Im Zusammenhang mit Allergien ist der Begriff "Sensibilisierung" wichtig. Er bezeichnet die Entstehung einer Allergie: Der Körper ist sozusagen "sensibel" oder "überempfindlich" auf den Stoff geworden. Das Gegenteil davon kennen viele Allergiker: Die De-Sensibilisierung. Dabei wird versucht, dem Körper seine überempfindliche Reaktion wieder abzugewöhnen.



Allergene Lebensmittel

Es gibt zahlreiche Stoffe, die typischerweise als Allergene in Frage kommen. Bei Lebensmitteln müssen nach EU-Recht (1) 14 Zutaten auf Nahrungsmitteln besonders gekennzeichnet werden. Das gilt auch für die aus ihnen gewonnenen Erzeugnisse (mit Ausnahmen):

  • Glutenhaltiges Getreide

  • Krebstiere

  • Eier

  • Fisch

  • Erdnüsse

  • Sojabohnen

  • Milch

  • Schalenfrüchte (im Wesentlichen sind das Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Cashewnüsse, Pecannüsse, Paranüsse, Pistazien, Macadamia oder Queenslandnüsse)

  • Sellerie

  • Senf

  • Sesamsamen

  • Schwefeldioxid

  • Lupinen

  • Weichtiere

Allergene Lebensmittel lassen sich in Allergenklassen unterteilen (2). Die Nahrungsmittelallergene der Klasse I sind sogenannte "vollständige" Allergene, das heißt sie sind sowohl für die Sensibilisierung als auch für die Auslösung von Symptomen verantwortlich. Dies betrifft die in der oben stehenden Liste genannten Allergene. Nahrungsmittelallergene der Klasse II sind sozusagen "unvollständig". Sie lösen zwar Symptome aus, sind aber nicht für die ursprüngliche Sensibilisierung verantwortlich. Meistens sind dies Allergene, die mit anderen Allergenen zusammenhängen, die eingeatmet werden, z.B. Pollen oder Lebensmittelbestandteile in der Lebensmittelherstellung. Auf diesem (Atem-)Wege können viele Lebensmittel eine Allergie verursachen, die es bei normaler Aufnahme als Nahrung nicht tun würden, beispielsweise Mehlbestandteile, Kaffeebohnen, Knoblauch oder Zwiebeln (2).

Über die Atemwege können viele Lebensmittel eine Allergie verursachen, die es bei normaler Aufnahme als Nahrung nicht tun würden.

Kreuzallergien

Bei einer bestimmten Pollenallergie können gewisse andere Nahrungsmittel als sogenannte Kreuzallergene fungieren. Sie entsprechen zwar nicht dem Original-Allergen, aber der Körper reagiert dennoch darauf. So sind z.B. bei Birkenpollen auch Äpfel, Kirschen, Aprikosen, Haselnüsse, Sellerie, Karotte und Sojabohne kreuzreaktiv. Kreuzreaktionen treten auch bei der Latexallergie auf. Diese ist oft verbunden mit Unverträglichkeiten auf pflanzliche Lebensmittel wie Esskastanie, Avocado, Kiwi, Banane und Paprika. Weitere Informationen zum Thema Kreuzallergien findest du auf den Seiten des Deutschen Allergie- und Asthmabundes DAAB.


Inhalationsallergene

Weitere große allergene Bereiche befinden sich in Pflanzen und Pollen, sowie Duftstoffe. Dies sind oft sogenannte Inhalationsallergene. Der Name weist hin auf die Art der Aufnahme - sie werden inhaliert, also eingeatmet. Besonders typisch sind Reaktionen auf folgende Allergene (2):

  • Pollen von Bäumen, Gräsern, und Kräutern, wie z.B. Birke, Hasel, Erle, Eiche, Roggen, Hafer, Weizen, Glaskraut, Lieschgras, Beifuß. Sie werden von Pflanzen freigesetzt, um weitere Pflanzen derselben Art zu bestäuben und sich somit fortzupflanzen. Ohne Pollen gäbe es z.B. keine Früchte. Es gibt in Deutschland das ganze Jahr über Pollen in der Luft (2), wobei sich die Arten, die gerade Pollen freisetzen, ändern. So haben die meisten Allergiker eine "Saison", in der sie verstärkte Symptome bemerken. Dies ist meist der Frühling, da zu diesem Zeitpunkt viele Pollen unterwegs sind. Grundsätzlich unterteilt man den Pollenflug in Frühblüher (Januar bis April), Mittelblüher (Mai bis August) und Spätblüher (September bis Dezember).

  • Sporen von Pilzen, z.B, Aspergillus, Cladosporium, Fusarium-Spezies. Zu der Kategorie Pilze gehören auch die Schimmelpilze. Die meisten Pilze finden ideale Wachstumsbedingungen bei einer Luftfeuchtigkeit von 90% und Temperaturen von 20-25°C (2).

  • Tierhaare, -hautzellen, -speichel und -exkremente, z.B. von Hunden, Katzen, Meerschweinchen, Pferden und Vögeln. Bei Hunden ist die Häufigkeit der allergischen Reaktionen stark von der Rasse abhängig. So existieren Sensibilisierungsraten von etwa 30% (bei Personen, die dem Allergen ausgesetzt sind) gegenüber Boxern und Schnauzern, jedoch nur 5-7% gegenüber Beagles und Schäferhunden (2). Katzenallergene gelten als die potentesten tierischen Inhalationsallergene und bewirken am häufigsten eine Sensibilisierung. Bei Meerschweinchen liegt (bei Personen, die Kontakt mit dem Allergen haben) eine Sensibiilisierungsrate von 60% vor, wobei der Urin ein potenteres Allergen ist als das Fell. Bei Pferden liegt eine Sensibilisierungsrate (bei Personen, die Kontakt mit dem Allergen haben) von etwa 50% vor. Dabei waren früher Pferdeepithelien auch ein bedeutendes Innenraumallergen, als noch mehr Matratzen und Sofas mit Pferdehaar gefüllt wurden, und es Pferdehaardecken gab. Dies ist jedoch stark rückläufig (2). Bei Vögeln sind Exkremente und Federn die bedeutendsten Allergene. Bei Personen mit Kontakt zum Allergen bestehen Sensibilisierungen bei 16% auf Papageienallergene und bei 10% auf Wellensittichallergene. Tauben sind ebenfalls allergisch relevant (2). Eine interessante Notiz: Es scheint eine Kreuzallergie zwischen Vogelfeder-Allergenen und Hühnerei zu bestehen (2).

Besonders typische Allergene, die durch Einatmen zu einer Allergie führen, sind Pollen, Pilzsporen und Tierhaare.

Kontaktallergene

Unter Kontaktallergenen sind die Allergene zusammengefasst, die bei Hautkontakt eine allergische Reaktion, wie z.B. ein allergisches Kotaktekzem (2) auslösen. Es gibt sehr viele Kontaktallergene, daher soll hier nur eine kleine Auswahl vorgestellt werden (2):


  • Metalle, wie z.B. Nickel, Chrom, Quecksilber und Kobalt. Chrom findet sich oft in Leder, aufgrund der Chromgerbung. Quecksilber findet sich in Zahnfüllungen aus Amalgam. Dabei sind nicht alle Metalle prinzipiell allergen: Kupfer, Eisen, Titan, Molybdän, Vanadium (und weitere) lösen selten, oder sogar nie, Allergien aus.

  • Pflanzen, wie z.B. Arnikablüten, Kamillenblüten, Scharfgarbe, Primeln.

  • Textilallergene, wie z.B. Textilfarben (darunter prominent die Azofarbstoffe) und Veredelungsharze.

  • Duftstoffe können sowohl als Kontaktallergiene als auch als Inhalationsallergene relevant sein. Der Kontakt erfolgt weitgehend über Kosmetikprodukte, Hautpflege und Waschprodukte wie Shampoo, Seife und Duschgele. Eingeatmet werden sie als Parfüm, z.B. aus Parfüm, Waschmittel oder Raumdüften. Aber auch im Waschmittel sind diese Substanzen enthalten, sofern es nicht duftstofffrei ist. Einige Duftstoffe sind inzwischen in der EU kennzeichnungspflichtig. Dazu gehören: Limonene, Geraniol, Eugenol, Citronellol, Cinnamal, Coumarin, Farnesol und Linalool (3). Eine vollständige Liste der deklarationspflichtigen Duftstoffe findest du auf den Seiten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Diese Duftstoffe müssen gekennzeichnet werden, wenn ihr Anteil in auswaschbaren Produkten, wie z.B. Seife, 0,01% übersteigt, und in verbleibenden Produkten, z.B. Creme, 0,001% übersteigt (3).

  • Medikamente, die auf der Haut angewendet werden, können ein allergisches Kontaktekzem auslösen. Dazu gehören lokale Betäubungsmittel, wie z.B. Benzocain, oder einige Antibiotika, wie z.B. Neomycin, Gentamycin und Kanamycin.

  • Bestimmte Berufsgruppen haben mit speziellen Kontaktallergien zu tun, z.B. metallverarbeitende Berufe, Friseure, lederverarbeitende Berufe, zahnmedizinische Berufe und Bäcker.

Bestimmte Berufe gehen mit speziellen Kontaktallergien einher, die mit dem im Beruf eingesetzten Material zu tun haben.

Literatur und Quellen

  1. Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel und zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 1924/2006 und (EG) Nr. 1925/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates und zur Aufhebung der Richtlinie 87/250/EWG der Kommission, der Richtlinie 90/496/EWG des Rates, der Richtlinie 1999/10/EG der Kommission, der Richtlinie 2000/13/EG des Europäischen Parlaments und des Rates, der Richtlinien 2002/67/EG und 2008/5/EG der Kommission und der Verordnung (EG) Nr. 608/2004 der Kommission, hier nachzulesen: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:02011R1169-20180101&qid=1574175862751&from=DE , Anhang II, S. 36

  2. Angerer P (2006). Allergologie-Handbuch: Grundlagen und klinische Praxis. Schattauer, Stuttgart. Ausschnitte sind bei Google Books verfügbar: https://books.google.de/books?id=_HhJuaCvDEcC.

  3. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Kennzeichnung von Duftstoffen https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/03_Verbraucherprodukte/03_AntragstellerUnternehmen/02_Kosmetik/05_Kennzeichnung/02_Duftstoffe/bgs_fuerAntragsteller_Duftstoffe_node.html

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