FAQ zur Impfung gegen COVID-19 bei MCAS



In den letzten Wochen haben mich und andere Menschen, die sich im Bereich MCAS engagieren, viele Nachrichten mit Fragen zu der COVID-19-Impfung bei MCAS erreicht. Auf der letzten Mitgliedervollversammlung des MCAS Hope e.V. entstand die Idee, die verfügbaren Informationen aus wissenschaftlichen Publikationen sowie Statements von Fachgesellschaften und Experten zusammenzufassen und übersichtlich zu präsentieren. Das Ergebnis unserer Arbeit findet ihr in diesem Artikel. Meine persönliche Meinung findet ihr in meinem Blogpost zur Impfung und MCAS, und am Ende dieses Artikels.


Übrigens, bevor es losgeht: Der MCAS Hope e.V. bringt immer wieder solche tollen Projekte an den Start, die uns allen weiterhelfen! Und wir freuen uns über jede helfende Hand, von MCAS-Betroffenen, Freunden und Familie und allen anderen Interessenten! Einfach einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen und dabei sein!


Nun zu den zur Impfung zusammengetragenen Informationen!



FAQ: Impfen für MCAS-Betroffene


Viele MCAS-Betroffene sind im Rahmen der COVID-19-Pandemie verunsichert, ob und wie eine Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 erfolgen sollte. Wir können auf dieser Seite selbstverständlich keine medizinischen Ratschläge oder individuellen Empfehlungen aussprechen. Dennoch haben wir versucht, eine Übersicht aus den bisher veröffentlichten Statements von Fachgesellschaften und Experten zusammenzustellen. Wir können darüber hinaus keine Aussagen zu individuellen Fällen treffen, dies gehört immer in ein vertrauensvolles ärztliches Gespräch. MCAS ist eine Erkrankung, die individuell sehr unterschiedliche Ausprägungen annehmen kann, daher ist es zum einen schwer, allgemeine Empfehlungen zu geben, und zum anderen ist eine persönliche Abklärung unerlässlich.


Mit den Fragen und Antworten auf dieser Seite wollen wir eine Orientierung für die Auseinandersetzung mit dem Thema „Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-COV-2“ geben. Wichtig ist: Ihr müsst unbedingt mit den Euch betreuenden Ärzt:innen die Risiken und etwaige Vorsichtsmaßnahmen im Rahmen einer Schutzimpfung individuell abklären und besprechen.


Grundsätzlich ist festzustellen, dass MCAS-Betroffene eine zumindest erhöhte Wahrscheinlichkeit für schwere Verläufe oder eine verlängerte Genesung bei einer COVID-19-Erkrankung besitzen, sowie ein möglicherweise erhöhtes Risiko für ein Post-Covid-Syndrom bzw. Long Covid (Afrin et al., 2020). Deshalb ist es für MCAS-Betroffene ganz besonders wichtig, sich mit der Möglichkeit - aber auch den Risiken - einer Schutzimpfung gegen diese potentiell schwere Krankheit auseinanderzusetzen!


Wichtig: Alle Antworten beziehen sich immer auf den aktuellen Wissenstand, der sich selbstverständlich auch noch ändern kann!

Im Text sind an vielen Stellen Quellenverweise eingefügt, z.B. „Kounis et al., 2021”. Die vollen Quellenangaben dazu findet ihr ganz am Ende des Dokuments im Literaturverzeichnis. Dort könnt ihr die vollständigen Quellen nachlesen.


Inhaltsverzeichnis

  1. Impfung allgemein

  2. Negative Beeinflussung von Medikamenten in der Behandlung von MCAS Patienten auf die Immunantwort einer COVID-Impfung.

  3. Vor- und Nachsorge

  4. Ein vertrauensvolles Gespräch

  5. Am Impftag

  6. Gibt es spezielle Umstände, bei denen vor der Impfung eine spezielle allergologische Beratung nötig ist?

  7. Covid-19-Impfstoffe: Inhaltsstoffe im Hinblick auf MCAS

  8. Weitere hilfreiche Links




1. Impfung allgemein


1a) Soll ich mich impfen lassen? Wie sind die Risiken durch eine Impfung und durch eine COVID-19-Infektion im Vergleich?

Grundsätzlich ist eine Schutzimpfung gegen SARS-COV-2 und die aktuell bekannten Varianten hochwirksam und deswegen gerade auch für chronisch Erkrankte sehr ratsam. Bereits die erste Impfung (bei Impfstoffen, die 2 Impfungen benötigen) schützt mit sehr großer Wahrscheinlichkeit vor dem Tod oder einem schweren Verlauf an COVID-19. MCAS ist – Stand heute – keine Kontraindikation für eine Schutzimpfung gegen SARS-COV-2 und wir würden grundsätzlich jeder/jedem MCAS-Betroffenen zu einer Schutzimpfung raten: Inwieweit jedoch individuelle Komorbiditäten, also Begleiterkrankungen gegen eine Impfung sprechen, sollte mit der/dem behandelnden Ärzt:in besprochen werden.

Die Ansicht, dass Menschen mit Mastzellerkrankungen geimpft werden können bzw. sollten, wird von zahlreichen Experten unterstützt (Bonadonna et al., 2021; Kounis et al., 2021; Valent et al., 2020; Azenha & Alvarez-Twose, 2021; Empfehlung von UKmasto.org, 2021, Raithel, 2021). Dr. Raithel äußert sich dazu folgendermaßen: “Die Impfung ist auch für Allergiker, Mastzellerkrankte und andere Unverträglichkeitsgruppen empfohlen, da eine schwere Impfreaktion wesentlich seltener einzustufen ist als ein schwerer Covid-Verlauf, der besonders bei diesen oben aufgeführten Patientengruppen auftreten kann (Risikopersonen).” (Statement des Waldkrankenhauses, Raithel 2021).

Es wird bei starken Allergiker:innen von stärkeren Impfreaktionen berichtet. Es ist aber auch klar, dass die Impfreaktionen eine kurzfristige Beeinträchtigung ggf. von mehreren Tagen bedeutet. Eine Erkrankung an COVID-19 ist ungleich schwerer und hat über einen langen Zeitraum, ggf. sogar dauerhaft, negative Auswirkungen auf die MCAS-Erkrankung. Zudem ist bekannt, dass jede Infektion die MCAS-Erkrankung verschlechtern kann. Anekdotisch sind bereits Fälle von durch COVID-19 verursachtem MCAS bekannt geworden. Dies ist bei der Entscheidung für oder gegen eine Impfung zu bedenken.



1b) Welcher Impfstoff ist der richtige für mich? Biontech, AstraZeneca, Moderna oder Johnson & Johnson?

Aktuell werden zwei wesentliche Arten von Impfstoffen gegen SARS-COV-2 unterschieden: Vektorimpfstoffe von AstraZeneca, Johnson & Johnson oder Sputnik V und mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Curevac. Eine Übersicht über die verschiedenen Wirkstoffe findet sich auf der Webseite der Gelben Liste sowie bei der Apotheken-Umschau.

Entgegen vieler Meinungsäußerungen, die insbesondere durch die sozialen Medien verbreitet werden: es gibt aktuell keine Erkenntnisse darüber, ob einer der beiden Impfstoffarten höhere Risiken für oder geringere Wirksamkeit bei MCAS-Betroffenen besitzen. Eine individuelle Entscheidung sollte mit der/dem Ärzt:in des Vertrauens besprochen werden.



1c) Wie versteht sich meine MCAS-Basistherapie mit einer Schutzimpfung gegen SARS-CoV-2?

Bei eingestelltem MCAS wird häufig eine Basistherapie, bestehend aus H1-, H2-Antihistaminika und Mastzellstabilisatoren, verordnet und täglich eingenommen. Nun kann man sich fragen, ob diese Therapie nicht die Immunreaktion, die durch den Impfstoff ausgelöst werden soll (und durch die der Körper lernt, sich gegen SARS-COV-2 zu wehren), unterdrückt und ob die Basistherapie für die Impfung ausgesetzt werden sollte.

Die Basistherapie hilft, dass eher chaotische Immunsystem von MCAS-Betroffenen, zu stabilisieren. Damit sollte sich das Immunsystem durch die Basistherapie „normaler“ verhalten, so dass man auch von einer „normalen“ Impfreaktion ausgegangen werden sollte. Auf diesen Punkt gehen wir im Weiteren genauer ein.



2. Können die Medikamente in der MCAS-Behandlung die Immunantwort auf die COVID-19-Impfung beeinflussen?


Es besteht kein Grund zur Annahme, dass Medikamente, die die Freisetzung von Mediatoren reduzieren – darunter Antihistaminika, Antileukotriene, Cromoglycinsäure und Omalizumab – immunsuppressive Eigenschaften aufweisen und so die Wirkung einer COVID-19-Schutzimpfung beeinträchtigen (Bonadonna et al., 2021).