FAQ zur Impfung gegen COVID-19 bei MCAS



In den letzten Wochen haben mich und andere Menschen, die sich im Bereich MCAS engagieren, viele Nachrichten mit Fragen zu der COVID-19-Impfung bei MCAS erreicht. Auf der letzten Mitgliedervollversammlung des MCAS Hope e.V. entstand die Idee, die verfügbaren Informationen aus wissenschaftlichen Publikationen sowie Statements von Fachgesellschaften und Experten zusammenzufassen und übersichtlich zu präsentieren. Das Ergebnis unserer Arbeit findet ihr in diesem Artikel. Meine persönliche Meinung findet ihr in meinem Blogpost zur Impfung und MCAS, und am Ende dieses Artikels.


Übrigens, bevor es losgeht: Der MCAS Hope e.V. bringt immer wieder solche tollen Projekte an den Start, die uns allen weiterhelfen! Und wir freuen uns über jede helfende Hand, von MCAS-Betroffenen, Freunden und Familie und allen anderen Interessenten! Einfach einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen und dabei sein!


Nun zu den zur Impfung zusammengetragenen Informationen!



FAQ: Impfen für MCAS-Betroffene


Viele MCAS-Betroffene sind im Rahmen der COVID-19-Pandemie verunsichert, ob und wie eine Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 erfolgen sollte. Wir können auf dieser Seite selbstverständlich keine medizinischen Ratschläge oder individuellen Empfehlungen aussprechen. Dennoch haben wir versucht, eine Übersicht aus den bisher veröffentlichten Statements von Fachgesellschaften und Experten zusammenzustellen. Wir können darüber hinaus keine Aussagen zu individuellen Fällen treffen, dies gehört immer in ein vertrauensvolles ärztliches Gespräch. MCAS ist eine Erkrankung, die individuell sehr unterschiedliche Ausprägungen annehmen kann, daher ist es zum einen schwer, allgemeine Empfehlungen zu geben, und zum anderen ist eine persönliche Abklärung unerlässlich.


Mit den Fragen und Antworten auf dieser Seite wollen wir eine Orientierung für die Auseinandersetzung mit dem Thema „Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-COV-2“ geben. Wichtig ist: Ihr müsst unbedingt mit den Euch betreuenden Ärzt:innen die Risiken und etwaige Vorsichtsmaßnahmen im Rahmen einer Schutzimpfung individuell abklären und besprechen.


Grundsätzlich ist festzustellen, dass MCAS-Betroffene eine zumindest erhöhte Wahrscheinlichkeit für schwere Verläufe oder eine verlängerte Genesung bei einer COVID-19-Erkrankung besitzen, sowie ein möglicherweise erhöhtes Risiko für ein Post-Covid-Syndrom bzw. Long Covid (Afrin et al., 2020). Deshalb ist es für MCAS-Betroffene ganz besonders wichtig, sich mit der Möglichkeit - aber auch den Risiken - einer Schutzimpfung gegen diese potentiell schwere Krankheit auseinanderzusetzen!


Wichtig: Alle Antworten beziehen sich immer auf den aktuellen Wissenstand, der sich selbstverständlich auch noch ändern kann!

Im Text sind an vielen Stellen Quellenverweise eingefügt, z.B. „Kounis et al., 2021”. Die vollen Quellenangaben dazu findet ihr ganz am Ende des Dokuments im Literaturverzeichnis. Dort könnt ihr die vollständigen Quellen nachlesen.


Inhaltsverzeichnis

  1. Impfung allgemein

  2. Negative Beeinflussung von Medikamenten in der Behandlung von MCAS Patienten auf die Immunantwort einer COVID-Impfung.

  3. Vor- und Nachsorge

  4. Ein vertrauensvolles Gespräch

  5. Am Impftag

  6. Gibt es spezielle Umstände, bei denen vor der Impfung eine spezielle allergologische Beratung nötig ist?

  7. Covid-19-Impfstoffe: Inhaltsstoffe im Hinblick auf MCAS

  8. Weitere hilfreiche Links




1. Impfung allgemein


1a) Soll ich mich impfen lassen? Wie sind die Risiken durch eine Impfung und durch eine COVID-19-Infektion im Vergleich?

Grundsätzlich ist eine Schutzimpfung gegen SARS-COV-2 und die aktuell bekannten Varianten hochwirksam und deswegen gerade auch für chronisch Erkrankte sehr ratsam. Bereits die erste Impfung (bei Impfstoffen, die 2 Impfungen benötigen) schützt mit sehr großer Wahrscheinlichkeit vor dem Tod oder einem schweren Verlauf an COVID-19. MCAS ist – Stand heute – keine Kontraindikation für eine Schutzimpfung gegen SARS-COV-2 und wir würden grundsätzlich jeder/jedem MCAS-Betroffenen zu einer Schutzimpfung raten: Inwieweit jedoch individuelle Komorbiditäten, also Begleiterkrankungen gegen eine Impfung sprechen, sollte mit der/dem behandelnden Ärzt:in besprochen werden.

Die Ansicht, dass Menschen mit Mastzellerkrankungen geimpft werden können bzw. sollten, wird von zahlreichen Experten unterstützt (Bonadonna et al., 2021; Kounis et al., 2021; Valent et al., 2020; Azenha & Alvarez-Twose, 2021; Empfehlung von UKmasto.org, 2021, Raithel, 2021). Dr. Raithel äußert sich dazu folgendermaßen: “Die Impfung ist auch für Allergiker, Mastzellerkrankte und andere Unverträglichkeitsgruppen empfohlen, da eine schwere Impfreaktion wesentlich seltener einzustufen ist als ein schwerer Covid-Verlauf, der besonders bei diesen oben aufgeführten Patientengruppen auftreten kann (Risikopersonen).” (Statement des Waldkrankenhauses, Raithel 2021).

Es wird bei starken Allergiker:innen von stärkeren Impfreaktionen berichtet. Es ist aber auch klar, dass die Impfreaktionen eine kurzfristige Beeinträchtigung ggf. von mehreren Tagen bedeutet. Eine Erkrankung an COVID-19 ist ungleich schwerer und hat über einen langen Zeitraum, ggf. sogar dauerhaft, negative Auswirkungen auf die MCAS-Erkrankung. Zudem ist bekannt, dass jede Infektion die MCAS-Erkrankung verschlechtern kann. Anekdotisch sind bereits Fälle von durch COVID-19 verursachtem MCAS bekannt geworden. Dies ist bei der Entscheidung für oder gegen eine Impfung zu bedenken.



1b) Welcher Impfstoff ist der richtige für mich? Biontech, AstraZeneca, Moderna oder Johnson & Johnson?

Aktuell werden zwei wesentliche Arten von Impfstoffen gegen SARS-COV-2 unterschieden: Vektorimpfstoffe von AstraZeneca, Johnson & Johnson oder Sputnik V und mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Curevac. Eine Übersicht über die verschiedenen Wirkstoffe findet sich auf der Webseite der Gelben Liste sowie bei der Apotheken-Umschau.

Entgegen vieler Meinungsäußerungen, die insbesondere durch die sozialen Medien verbreitet werden: es gibt aktuell keine Erkenntnisse darüber, ob einer der beiden Impfstoffarten höhere Risiken für oder geringere Wirksamkeit bei MCAS-Betroffenen besitzen. Eine individuelle Entscheidung sollte mit der/dem Ärzt:in des Vertrauens besprochen werden.



1c) Wie versteht sich meine MCAS-Basistherapie mit einer Schutzimpfung gegen SARS-CoV-2?

Bei eingestelltem MCAS wird häufig eine Basistherapie, bestehend aus H1-, H2-Antihistaminika und Mastzellstabilisatoren, verordnet und täglich eingenommen. Nun kann man sich fragen, ob diese Therapie nicht die Immunreaktion, die durch den Impfstoff ausgelöst werden soll (und durch die der Körper lernt, sich gegen SARS-COV-2 zu wehren), unterdrückt und ob die Basistherapie für die Impfung ausgesetzt werden sollte.

Die Basistherapie hilft, dass eher chaotische Immunsystem von MCAS-Betroffenen, zu stabilisieren. Damit sollte sich das Immunsystem durch die Basistherapie „normaler“ verhalten, so dass man auch von einer „normalen“ Impfreaktion ausgegangen werden sollte. Auf diesen Punkt gehen wir im Weiteren genauer ein.



2. Können die Medikamente in der MCAS-Behandlung die Immunantwort auf die COVID-19-Impfung beeinflussen?


Es besteht kein Grund zur Annahme, dass Medikamente, die die Freisetzung von Mediatoren reduzieren – darunter Antihistaminika, Antileukotriene, Cromoglycinsäure und Omalizumab – immunsuppressive Eigenschaften aufweisen und so die Wirkung einer COVID-19-Schutzimpfung beeinträchtigen (Bonadonna et al., 2021).


Einige Immunkranke (1:10) bauen nach einer mRNA-Impfung keinen entsprechenden Immunschutz auf. Hier ist laut Studie der Uniklinik Erlangen eine 3. Impfung mit einem anderen Impfstoff zu erwägen (Simon et al., 2021). Eine gute Übersicht zu COVID-19 für Patienten mit chronischer Immunschwäche findet sich bei der Uniklinik Freiburg.



2a) Omalizumab (Xolair)


Omalizumab ist ein synthetisch, immunologisch wirksamer Antikörper und obwohl Omalizumab spezifisch an relevante Strukturen in der Immunkaskade bindet (IgE), ist nicht von einer reduzierten Wirksamkeit des Impfstoffes auszugehen. Anders wirkt sich eine hohe IgE-Konzentration negativ auf die Induktion der Autoimmunität aus (höchstwahrscheinlich durch Induktion einer B-Zell-Toleranz im Wirt). Geimpfte Personen mit sehr hohen IgE-Konzentrationen sprechen dadurch schlechter auf den Impfstoff an. Daher führt eine Anti-IgE-Therapie mit monoklonalen Antikörpern (Omalizumab) zu einer besseren Impfreaktion und könnte allergische Reaktionen weiter verhindern (Castells and Phillips, 2021).


Nach Möglichkeit sollte ein einwöchiger Abstand zwischen Impfung und zur letzten Biologika-Injektion (Omalizumab ist ein Biologikum) als auch zur nächsten Biologika-Injektion eingehalten werden (Pfaar, 2021).



2b) Immunsuppressiva


Immunsuppressiva können in einer verminderten Impfantwort resultieren. Nach Möglichkeit sollte eine Impfung gegen das Sars-CoV-2 Virus, während eines therapiefreien Intervalls erfolgen.


Patienten unter einer niedrig dosierten Kortikosteroidtherapie (< 10mg/Tag) sollten eine normale Antikörper-Antwort ausbilden.


Eine Liste von Medikamenten, die zu den Immunsuppressiva gehören, findet sich hier bei der Gelben Liste.




3. Vor- und Nachsorge

3a) Wie kann ich mich auf die Impfung vorbereiten? Sollte ich eine Prämedikation einnehmen? Was mache ich nach der Impfung (z.B. Postmedikation)?

  • Ob und in welcher Dosierung eine prophylaktische Behandlung eingeleitet werden sollte, um einer Mastzellaktivierung als Folge der Impfung entgegenzuwirken, muss individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. MCAS-Betroffene sollten ihre Medikation nicht ohne Absprache mit ihrer/m behandelnden Ärzt:in ändern oder aussetzen. Die hier beschriebenen Inhalte sind keine Empfehlungen und dienen lediglich der Information.

  • Nicht ohne ärztlichen Rat die bestehende Medikation ändern, also nicht selbsttätig Medikamente absetzen oder zusätzliche Wirkstoffe hinzunehmen. Bitte besprecht Änderungen in Wirkstoffen und Dosierungen mit ausreichender Vorlaufzeit zum Impftermin mit eurer/m Ärzt:in. Diese Entscheidungen sind sehr individuell und müssen persönlich mit einer/m Ärzt:in abgeklärt werden.

  • Bei einem vorliegenden Risiko einer anaphylaktischen Reaktion auf die Impfung (z.B. bei bekannten anaphylaktischen Reaktionen auf einen in diesem konkreten Impfstoff enthaltenen Zusatzstoff in der Vergangenheit) muss ärztlich abgewogen werden, ob eine Prämedikation stattfinden kann. Zum einen hilft die Prämedikation gegen eventuelle unerwünschte Reaktionen, andererseits veröffentlichte der Deutsche Allergie- und Asthma-Bund (DAAB) den Hinweis, dass eventuelle Anfänge einer anaphylaktischen Reaktion, insbesondere beginnende Reaktionen der Haut, durch Prämedikation maskiert werden könnten. Ein anaphylaktischer Schock könnte so erst später erkannt werden. Dies betrifft allerdings nicht alle Menschen mit MCAS, sondern primär die Betroffenen mit anaphylaktischen Schocks in der Vorgeschichte.

  • Vorbereitend sowie nachbereitend ist es sinnvoll, jeweils mindestens 3 Tage darauf zu achten, Trigger zu vermeiden, Stress zu reduzieren, z.B. durch Meditation, und generell dem Körper Ruhe zu gönnen. Auch das kann die Mastzellaktivierung erheblich reduzieren und damit im Immunsystem für mehr Ruhe sorgen!

  • Falls Nebenwirkungen auftreten, schonen! Nicht “durchhalten” und dem Körper damit zusätzlichen Stress bereiten. Notfalls im Beruf krankmelden, falls möglich. Es ist wichtig, dem Körper Zeit und Ruhe zu geben, sich sinnvoll mit der Impfung auseinanderzusetzen.

  • Generelle Tipps vom CDC (US-Behörde für Infektionsschutz):

  • Vor der Impfung (in englischer Sprache)

  • Nach der Imfpung (in englischer Sprache)



3b) Medikation


Die folgenden Ausführungen sind nicht als Patientenanleitung, sondern als Anregung für die Gespräche mit den/der behandelnden Ärzt:in zu verstehen. Aus der Literatur lassen sich aktuell folgende Empfehlungen für die Prä -und Postmedikationen entnehmen:

  • Vorbehandlung: 2-3 Tage mit H1- und H2-Antihistaminika, ggf. Vitamin C (Raithel, 2021).

  • H1-Blocker 30-60 Minuten vor der Impfung (Bonadonna et al., 2021; Kounis et al., 2021)

  • Nachbehandlung: die Vorbehandlung mit H1-, H2-Antihistaminika und ggf. Vitamin C für 2-3 Tage weiter fortführen (Raithel, 2021).

  • Bei Impfreaktionen wie Fieber und Schmerzen können individuell verträgliche schmerzlindernde/fiebersenkende Medikamente (bspw. Paracetamol) eingenommen werden, wenn keine anderen medizinischen Gründe dagegensprechen.

  • In einigen seltenen besonders schweren Fällen ist eine ärztlich angeordnete und zeitlich begrenzte Prednisolon-Gabe möglich (Raithel, 2021).

  • Patienten mit positiver Anamnese auf (“Neigung zu“) Anaphylaxien ist anzuraten, besonders darauf zu achten, das bereits vorhandene Notfall-Set (Epi-Pen) am Tag der Impfung sowie an den darauffolgenden Tagen jederzeit mit sich zu führen (Kounis et al., 2021).

  • Bei Hochrisikopatienten (z. B. Patienten mit einer Vorgeschichte von Sofortreaktionen auf Kontrastmittel, monoklonale Antikörper oder PEG-, polysorbat- oder tromethaminhaltige Medikamente) empfehlen Azenha & Alvarez-Twose (2021) folgendes: “Die Entscheidung, ob der Patient geimpft werden soll, muss auf individueller Basis getroffen werden. Wenn die Beurteilung eine Impfung unterstützt, kann eine intensivere Prämedikation mit H1- plus H2-Antihistaminika 1 Stunde vor der Impfung und Montelukast 24 und 1 Stunde vor der Impfung, gefolgt von einem Beobachtungszeitraum von 90 Minuten, ein sinnvoller Ansatz sein. Insbesondere bei Patienten mit nicht-IgE-vermittelten Reaktionen, die potenziell mit Tromethamin zusammenhängen (z. B. Kontrastmittel, endovenöses Ketoprofen, Ketorolac und Fosfomycin), sollten tromethaminfreie Impfstoffe gewählt werden.”

3c) Beobachtungszeit

Generell wird eine Beobachtungszeit nach der Impfung von 15 Minuten empfohlen. Der DAAB empfiehlt für Menschen mit Allergien eine längere Beobachtungszeit von 30 Minuten, eine Publikation empfiehlt 45 Minuten (Azenha & Alvarez-Twose, 2021). Es spricht nichts dagegen, auf eigenen Wunsch auch z.B. 60 Minuten in der Nachbetreuung zu verbringen (das ist in der Regel ein Wartezimmer in der Praxis oder im Impfzentrum). Es kann bei konkreter Erwartung schwerer Nebenwirkungen in individueller Abwägung mit der/m Ärzt:in auch sinnvoll sein, noch längere Beobachtungszeiträume zu wählen. Dann bietet es sich auch an, die Impfung nicht erst spät am Abend zu bekommen, sodass noch genügend Tagesstunden für eine Beobachtung zur Verfügung stehen.





4. Ein vertrauensvolles Gespräch


4a) Was sollte ich meine/n Ärzt:in fragen?

Um bei dem Vorgespräch mit der/m Ärzt:in zu helfen, haben wir ein Dokument mit möglichen Fragen zusammengestellt. Diese müssen nicht alle gefragt werden, sondern dienen als Inspiration für den individuellen Fall. Je nach persönlicher Konstellation können weniger Fragen oder zusätzliche, nicht aufgeführte Fragen sinnvoll sein.


Checkliste Gespräch
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4b) Welcher Prioritätsklasse gehöre ich an?

Da MCAS in Deutschland noch keine offiziell anerkannte Erkrankung ist, kann MCAS folgerichtig auch nicht in den Richtlinien auftauchen. Daher liegt diese Entscheidung bei der/m behandelnden Ärzt:in. Wir haben hier eine Entscheidungshilfe auf Basis einer wissenschaftlichen Veröffentlichung erstellt.


Entscheidungshilfe Priorität
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4c) Was mache ich, wenn ich keine Vertrauensperson habe?


Wir bemühen uns, Informationen zu MCAS, Mastzellen und der Impfung bereitzustellen. Wir können keinen ärztlichen Rat ersetzen (und streben das auch nicht an) und können keine individuellen medizinischen Empfehlungen aussprechen. Die allgemeinen Informationen zu MCAS findest du beim MCAS Hope e.V. Der MCAS Hope e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der Hilfe und Informationen für Betroffene von MCAS bereitstellt. Der Mitgliedsbeitrag leistet einen wertvollen Beitrag zu Projekten wie dieser Informationsübersicht zu MCAS und der Impfung. Wir freuen uns über neue Mitglieder! Hier geht es zum Mitgliedsantrag. Weitere Informationen zu MCAS findet ihr auf der Webseite des MCAS Hope e.V. und auf Mastzellenhilfe.de.



5. Am Impftag


5a) Wie gehe ich zum Impftermin? Sollte ich mich abholen lassen?

Checkliste: Was ist zu beachten?

  • Wichtig: Beachtet, dass die Ärzt:innen im Impfzentrum wahrscheinlich keine ausgewiesenen Spezialisten für MCAS sind. Deshalb versucht am besten, die Aufklärung - zumindest informell - vorab mit einer/m Ärzt:in eures Vertrauens durchzuführen. Nach Rücksprache mit der/m Ärzt:in, oder nach eigenen Erfahrungen, bietet sich eine verlängerte Beobachtungszeit, z.B. von 30-60 Minuten, an (siehe oben). Eine solche Empfehlung sollte dann bei der rechtlich notwendigen “offiziellen” Aufklärung im Impfzentrum oder in der impfenden Praxis der/dem Ärzt:in mitgeteilt werden.

  • Es kann sinnvoll sein, vorher organisatorische Fragen zu klären, z.B. Wie komme ich vom Impftermin wieder nach Hause? Kann mich jemand abholen? Es kann sinnvoll sein, zum Impftermin eine kleine Broschüre mitzunehmen (MCAS & Notfall), das Notfallset, ausreichend Zeit, ein Getränk und einen Snack, und etwas zum Lesen oder andere Ablenkung gegen eventuelle Angst, z.B. eine Meditations-App vorher herunterladen o.ä.





6. Gibt es besondere Umstände, bei denen vor der Impfung eine spezielle allergologische Bratung nötig ist?

Allergien auf Medikamente, Nahrungsmittel, Insektengift oder Inhalationsallergene (Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare, Schimmel) sind keine Kontraindikation für eine Impfung, einschließlich der COVID-19-Impfungen. Die Beobachtungszeit sollte mindestens 15 Minuten betragen. Einige Menschen benötigen eine längere Beobachtungszeit und die Überwachung von Vitalwerten, z.B. Patienten mit einer Vorgeschichte starker allergischer Reaktionen, mit unkontrolliertem Asthma, oder mit Mastzellerkrankungen (Sokolowska et al., 2021).

Aus der Empfehlung von UKmasto.org (2021): “Die folgenden Personengruppen können jeden der verfügbaren Impfstoffe erhalten:

  • Personen ohne Allergie oder Anaphylaxie in der Vorgeschichte-Personen mit allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen, Ekzemen oder Asthma

  • Personen mit spontaner Urtikaria und Angioödemen ohne Anaphylaxie-Merkmale-Personen mit einer Allergie oder Anaphylaxie gegen Nahrungsmittel oder Insektengift

  • Personen mit einer Allergie oder Anaphylaxie gegen eine einzelne Arzneimittelklasse (z. B. Penicilline) in der Vorgeschichte

  • Personen mit einer Anaphylaxie in der Vorgeschichte auf eine biologische Behandlung (siehe Hinweis unten)

  • Personen mit einer Anaphylaxie in der Vorgeschichte auf einen einzelnen anderen Impfstoff

  • Personen mit Symptomen einer Mastzellerkrankung, die nicht auf eine Anaphylaxie zurückzuführen sind. Diese Personen können jeden der verfügbaren Impfstoffe erhalten. Einige Symptome der Mastzellerkrankung können nach der Impfung aufflackern, obwohl dies in der Regel leicht bis mäßig ist und innerhalb weniger Tage abklingt.


Die folgenden Personengruppen sollten weitere allergologische Beratung einholen (für weitere Details: Empfehlung von ukmasto.org):

  • Personen mit Anaphylaxie nach der ersten Dosis des COVID-19-Impfstoffs: Diese sollten sich vor der zweiten Dosis allergologisch beraten lassen.

  • Personen mit einer Allergie gegen einen Hilfsstoff in einem Impfstoff: Diese sollten einen anderen Impfstoff erhalten.

  • Personen mit einer Anaphylaxie unklarer Ursache in der Vorgeschichte (spontane/idiopathische Anaphylaxie); Personen mit einer Anaphylaxie in der Vorgeschichte gegen mehrere Klassen von Medikamenten oder Impfstoffen; Menschen mit einer Anaphylaxie in der Vorgeschichte gegenüber Biologika: Die überwiegende Mehrheit der Patienten mit Anaphylaxie unklarer Ursache wäre in der Lage, jeden der verfügbaren Impfstoffe ohne Probleme erhalten. Die MHRA hat jedoch einen vorsorglichen Ansatz gewählt und die Impfstoffe von Pfizer/BioNTech oder Moderna nicht zu verwenden, sondern stattdessen den Impfstoff von AstraZeneca zu verwenden, es sei denn, es gibt Gründe, auch diesen zu vermeiden.

  • Weitere Details könnt ihr der Empfehlung von ukmasto.org entnehmen.


Übereinstimmend damit heißt es in der Empfehlung des Malteser Krankenhauses in Erlangen (Raithel, 2021): Derzeit gibt es aus klinischen Studien oder Erfahrungen aus der Massenimpfung keinen Hinweis, Patienten mit Allergien, Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten bzw. Mastzellaktivierungserkrankung nicht gegenüber SARS-CoV-2 zu impfen.

Ausnahmen, in denen eine Gegenanzeige für die SARS-CoV-2 Impfung besteht, sind:

  • Vorbekannte Allergie/Pseudoallergie auf einen Bestandteil des Impfstoffs (z.B. Polyethylenglykol PEG-2000, Tromethamin-HCL, Essigsäure, etc),

  • Eine schwere allergische Reaktion auf die erste Gabe der Covid-Schutzimpfung.

Besondere Risikosituationen mit erhöhtem Risiko bzw. Notwendigkeit einer Prämedikation

  • Stattgehabte Anaphylaxie nach einer anderen früheren Impfung

  • Stattgehabte Anaphylaxie nach Medikamenten (z.B. bei bekannter Mastozytose)

  • Stattgehabte Anaphylaxie mit unklarem Auslöser

Aus Sicht der europäischen Arzneimittelbehörde und der deutschen Zulassung besteht kein Grund, Personen mit Nahrungsmittelallergien, sonstigen Allergien oder Mastzellaktivierung nicht zu impfen, sofern die obigen Punkte 1. (Gegenanzeigen) und 2. (Besondere Risikosituationen) nicht vorliegen.


Falls entsprechende oder mehrere Unverträglichkeiten vorhanden sind (zum Beispiel PEG-2000), sollte dies angesprochen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen vorbereitet werden. Natürlich ist eine entsprechende Achtsamkeit und Überwachung dieser Patientengruppen unerlässlich, mit Analyse der Vorgeschichte, Kenntnis der Inhaltsstoffe im jeweiligen Impfpräparat sowie einer mindestens 30minütigen Nachüberwachung. Eine mögliche Notfallbehandlung einer anaphylaktischen Reaktion ist sicherzustellen, sodass ärztliche Präsenz einschließlich entsprechendem Notfallkoffer incl. Adrenalin-Pen unmittelbar vorhanden sein muss. Wie bei jeder Impfung besteht eine Möglichkeit der Unverträglichkeitsreaktion. Die inzwischen beobachtete Frequenz an anaphylaktischen/anaphylaktoiden Reaktionen ist höher als auf sonstige Virusimpfungen; aus den bisherigen Daten zum Biontech-Impfstoff beträgt diese ca.11.1 Fälle/1 Million Impfungen (Anmerkung: das sind immer noch extrem wenige Fälle! Es ist zudem zu bedenken, dass eine Entscheidung gegen eine Impfung mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eine Entscheidung für die Infektion mit COVID-19 sein kann).


Weitere Hinweise zu gegebenen Situationen mit konkreten Handlungsempfehlungen findet ihr hier bei der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie.





7. COVID-19-Impfstoffe: Inhaltsstoffe im Hinblick auf MCAS

7a) Allgemein


Insgesamt scheinen seltene Fälle schwerer Unverträglichkeitsreaktionen bei den beiden mRNA-Impfstoffen (Biontech, Moderna) häufiger aufzutreten. Dagegen abzuwägen sind die seltenen Fälle von Sinusvenenthrombosen bei den sogenannten Vektorimpfstoffen von Astrazeneca und Johnson & Johnson. Hier sind vermutlich überwiegend Frauen jüngeren bis mittleren Alters betroffen.


Ausschlaggebend für mögliche Mastzellreaktionen oder Anaphylaxie scheinen vor allem Zusatz- und Hilfsstoffe zu sein, nicht so sehr der eigentlich immunwirksame Teil der Impfung (Kounis et al., 2021). Grundsätzlich kann aber jede Aktivierung des Immunsystems, die natürlich bei einem Impfstoff gewünscht ist, zu einer Verstärkung der Mastzellproblematik beitragen, da Mastzellaktivierung ein Teil der Immunreaktion ist und eine wichtige Rolle gerade auch bei Virusinfektionen spielt (Valent et al., 2020).


Die folgende Auflistung der Inhaltsstoffe und Bewertung im Hinblick auf mögliche Mastzellreaktionen soll dabei helfen, die individuelle Verträglichkeit des jeweiligen Impfstoffes besser einzuschätzen.


7b) Einzelne Impfstoffe

Biontech/Pfizer

Dieser Impfstoff basiert auf mRNA. Diese Art Impfstoff ist neuartig und wird außerdem im Moderna Impfstoff verwendet. Die mRNA ist in nano-Lipidpartikel eingepackt und so durch den vorzeitigen Abbau geschützt. Hauptbestandteil der Lipidpartikel ist ALC-0315 [(4-Hydroxybutyl)azandiyl]bis(hexan-6,1- diyl)bis(2-hexyldecanoat)]. Es wurden anaphylaktische Reaktionen auf diesen Impfstoff gemeldet, das Risiko gilt dabei aber insgesamt als niedrig (Azenha & Alvarez-Twose, 2021).

Möglicherweise problematische Inhaltsstoffe

  • ALC-0159 (2-((Polyethylenglykol)-2000)-N,N-ditetradecylacetamid): PEG (Polyethylenglykol, auch als Makrogol bezeichnet) ist bekannt dafür, in seltenen Fällen allergische/anaphylaktische Reaktionen auszulösen. Es ist in sehr vielen medizinischen und kosmetischen Produkten enthalten. Bei bekannter oder vermuteter Unverträglichkeit gegen PEG sollte man hier sehr vorsichtig sein (Azenha & Alvarez-Twose, 2021). Es besteht allerdings wahrscheinlich kein speziell erhöhtes Risiko für MCAS PatientInnen (Rama et al., 2021).

  • Einbasiges Kaliumphosphat: Kaliumphosphat wird auf der SIGHI-Lebensmittelliste als mäßig verträglich eingestuft: Kleine Mengen sollten bei den meisten MCAS betroffenen keine Probleme machen, allerdings ist uns nicht bekannt, wie sich die Reaktion bei einer Injektion von der bei oraler Aufnahme unterscheidet.

Weitere Inhaltsstoffe Diese Stoffe sind entweder laut SIGHI verträglich, oder es sind uns keine Informationen zu Verträglichkeit bei MCAS Reaktionen bekannt. Dennoch sollte überprüft werden, ob individuelle Unverträglichkeiten bestehen.

  • Lipid ALC-0315

  • 1,2-Distearoyl-sn-glycero-3-Phosphocholin (DSPC=Colfoscerilstearat)

  • Cholesterin

  • Kaliumchlorid

  • Natriumchlorid

  • zweibasisches Natriumphosphat-Dihydrat Saccharose (Haushaltszucker, verträglich laut SIGHI-Lebensmittelliste, Stand 2016)

  • Wasser für Injektionszwecke

Moderna Dieser Impfstoff basiert wie Pfizer/Biontech auf mRNA und ist wie dieser in Lipid-Nanopartikel eingepackt. Hauptbestandteil der Lipide ist SM 102 (heptadecan-9-yl 8-((2-hydroxyethyl) (6-oxo-6- (undecyloxy) hexyl) amino) octanoate).


Möglicherweise problematische Inhaltsstoffe

  • Polyethylenglykol [PEG] 2000 Dimyristoyl-Glycerin [DMG]: PEG (Polyethylenglykol, auch als Makrogol bezeichnet) ist bekannt dafür, in seltenen Fällen allergische/anaphylaktische Reaktionen auszulösen. Es ist in sehr vielen medizinischen und kosmetischen Produkten enthalten. Bei bekannter oder vermuteter Unverträglichkeit gegen PEG sollte man hier vorsichtig sein (Azenha & Alvarez-Twose, 2021). Es besteht allerdings wahrscheinlich kein speziell erhöhtes Risiko für MCAS PatientInnen (Rama et al., 2021).

  • Tromethamin und Tromethamin-Hyrochlorid: Tromethamin ist häufiger Bestandteil von Gadolinium-Kontrastmitteln und könnte (mit-)Verursacher von Kontrastmittel-induzierter Anaphylaxie sein. Bei bekannter Reaktion auf ein solches Mittel ist ggf. hier Vorsicht geboten (Azenha & Alvarez-Twose, 2021).

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